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Anbindehaltung von Rindern, Update 2023 – Teil 1

Hinweis: Der Inhalt dieses Beitrags in Wort und Bild basiert auf der Faktenlage zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung (30.10.2023)

Wien, 30.10.2023

Rinder anbinden ist unnatürlich und tierquälerisch. Ein im Sommer veröffentlichter Bericht von „Expertise for Animals“ offenbart alle Tierschutzprobleme dieser Haltungsform.

Im August 2023 erschien der Bericht Die Ketten lösen – Eine umfassende Untersuchung der Anbindehaltung von Rindern.1 Veröffentlicht wurde die wissenschaftliche Studie zum Thema Anbindehaltung von Rindern im deutschsprachigen Raum von der gemeinnützigen Organisation Expertise for Animals aus Deutschland. Das White Paper steht online kostenlos allen Interessierten zur Verfügung.

Die Ketten lösen ist das erste wissenschaftliche Paper, das sich umfassend und detailliert mit dem Thema Anbindehaltung von Rindern in Deutschland, Österreich und der Schweiz beschäftigt. Mehrere Themenbereiche werden erörtert, darunter die Auswirkungen der Anbindehaltung auf die körperliche Gesundheit, das Verhalten und die Emotionen von Rindern. Dieses Thema schauen wir uns in diesem Beitrag genauer an.

Körperliche Probleme von Rindern in Anbindehaltung

Wer Rinder anbindet, beraubt die Tiere der Möglichkeit, lebensnotwendige körperliche Grundbedürfnisse ausleben zu können. Angebundene Rinder können sich nicht natürlich bewegen. Angebundene Rinder können nicht natürlich essen. Angebundene Rinder können nicht natürlich schlafen und ruhen.

Die starke Einschränkung der körperlichen Grundbedürfnisse verursacht für die Tiere schwerwiegende körperliche Probleme. Konkret sind das:

  1. Erkrankungen das Atmungsapparates wie beispielsweise Rindergrippe.
  2. Eutererkrankungen bei Kühen wie Euterentzündungen, Trittverletzungen an den Zitzen und Euterverletzungen durch Aufliegen des Euters auf den Kanten des Anbindestands.
  3. Bein- und Klauenprobleme wie Lahmheit, Klauenfäule oder Ballenhornfäule, schmerzhafte Druckstellen und Geschwüre an den Klauen und Gelenken, entzündete, geschwollene und verletzte Gelenke (Abszesse und Schleimbeutelentzündungen), unzureichender Klauenabrieb sowie Fehlbelastungen in den Gliedmaßen.
  4. Krankhafte Veränderungen in den Karpalgelenken (= Kniegelenke) der Vorderbeine.
  5. Erkrankungen des Verdauungsapparates.
  6. Hautverletzungen wie schmerzhafte Liegeschwielen, Einschnürungen und Quetschungen am Hals durch Anbindevorrichtungen, zu enge oder eingewachsene Ketten, Hautreizungen am Euter und Entzündungen und Verletzungen an der Innenseite der Schenkel.

Die Studienautorinnen zum Themenbereich Körperliche Gesundheit und Anbindehaltung: Die Tiergesundheit ist ein wichtiges Kriterium bei der Bewertung, ob eine Haltungsform die Bedürfnisse des Tieres erfüllt. Die beschriebenen gesundheitlichen Probleme zeigen, dass die Anbindehaltung kein geeignetes Haltungssystem für Rinder darstellt: Sie verursacht Krankheiten und Verletzungen, die sich negativ auf das Wohlergehen der Tiere auswirken.2

Problematische Einschränkungen im Verhalten

Wer Rinder anbindet, beraubt die Tiere der Möglichkeit, arttypische und lebensnotwendige Verhaltensweisen ausleben zu können. Können Rinder ihre lebensnotwendige Verhaltensweise nicht ausleben, leiden sie unter Stress und entwickeln Verhaltensstörungen.

Die tierquälerischen Einschränkungen im Verhalten sind:

1. Extrem eingeschränktes Bewegungsverhalten

  • Angebundene Rinder haben keine freie Bewegungsmöglichkeit.
  • Gehen, Traben oder Rennen ist nicht möglich.
  • Der natürliche Weideschritt ist nicht möglich.
  • Drehungen um die eigene Achse sind nicht möglich.
  • Normales Vor- und Zurückbewegen ist nicht möglich.
  • Natürliches Aufsteh – und Abliegeverhalten ist nicht möglich.

2. Kein normales und natürliches Sozialverhalten

  • Angebundene Rinder können keine normalen und natürlichen Sozialkontakte aufbauen und pflegen.
  • Individuelle Beziehungen sind nicht möglich.
  • Die Individualdistanz zwischen den Tieren kann nicht gewahrt werden.
  • Ausweichen bei Auseinandersetzungen nebeneinander angebundener Rinder ist nicht möglich.
  • Herdensynchrones Verhalten wie gemeinsame Nahrungsaufnahme, gemeinsames Ruhen und gemeinsames Bewegen ist nicht möglich.

3. Extrem eingeschränktes Ruhe- und Liegeverhalten

  • Angebundene Rinder können nie ungestört und entspannt ruhen, da die normalen Liegepositionen in Anbindeständen nicht möglich sind.
  • Das arttypische Ablegen des Kopfes auf dem Körper ist wegen Platzmangels nicht möglich.
  • Liegepositionen mit entspannten und natürlich gestreckten Gliedmaßen sind wegen Platzmangels nicht möglich.
  • Durch die engen und kurzen Anbindeplätze bzw. durch zu knappe Anbindungen kommt es zu Verrenkungen.
  • Die Liegeperioden und Liegezeiten sind unnatürlich kurz. Die Rinder können sich deshalb nicht ausreichend erholen und entspannen.
  • Da bei Anbindeplätzen keine Trennung von Ess- und Liegebereichen existiert, sind die Rinder gezwungen, in den eigenen Exkrementen zu liegen. Da sie das nicht gerne tun, legen sie sich seltener und für kürzere Zeitspannen hin, als bei einer natürlichen Haltungsform.

4. Extrem eingeschränkte Körperpflege

  • Angebundene Rinder können sich nicht kratzen, scheuern oder belecken.
  • Sie können keine Körperpflege betreiben.
  • Angebundene Rinder können sich nicht gegenseitig pflegen.
  • Das Ausweichen an einen kühleren oder wärmeren Ort ist nicht möglich.

5. Erkundungsverhalten ist unmöglich

  • Angebundene Rinder können die Umgebung ihrer Standplätze nicht erkunden.
  • Sie haben keine Beschäftigungsmöglichkeiten.
  • Sie leiden unter der Monotonie des Standplatzes, des Stalles und der fehlenden Abwechslung.

6. Unnatürliche Essensaufnahme

  • Angebundene Rinder können nicht auf natürliche Weise Nahrung zu sich nehmen.
  • Die Futterplätze bei der Anbindehaltung zwingen die Tiere zu unnatürlichen Körperhaltungen.
  • Die Nahrungsaufnahmezeiten sind deshalb kürzer.
  • Natürliches Trinken von Wasser ist bei der Anbindehaltung nicht möglich.

Die Studienautorinnen kommen zu dem Schluss, dass Anbindehaltung beendet werden muss. In ihrem Fazit zur Studie schreiben sie: Das vorliegende White Paper zeigt eindeutig, dass die Anbindehaltung bei Rindern ein tierquälerisches und ethisch nicht vertretbares Haltungssystem darstellt. Sie bringt auf drei Ebenen – körperliche Gesundheit, Verhalten und Emotionen – erhebliche Probleme mit sich.3

Es ist offensichtlich, dass angebundene Rinder leiden. Ihnen werden Schmerzen, Leiden, Schäden, Angst und Stress zugefügt. Trotzdem müssen in Österreich nach wie vor mehr als 550.000 Rinder in Anbindehaltung leben, wie die Daten der Agrarstrukturerhebung 2020 zeigen.4

Der zweite Teil der Artikelserie Anbindehaltung von Rindern, Update 2023 beschäftigt sich mit der aktuellen Situation der Anbindehaltung von Rindern in Österreich.

Quellen

  1. Die Ketten lösen – Eine umfassende Untersuchung der Anbindehaltung von Rindern (2023)
  2. Die Ketten lösen, Seite 17
  3. Die Ketten lösen, Seite 109
  4. Agrarstrukturerhebung 2020

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