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EUSAAT-Kongress an der Linzer Johannes Kepler Universität

Hinweis: Der Inhalt dieses Beitrags in Wort und Bild basiert auf der Faktenlage zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung (25.10.2019)

Linz, 25.10.2019

Von 10.-13. Oktober fand an der JKU der 22. Europäische Kongress für Alternativen zu Tierversuchen statt. Dazu gab es 150 Expert_innen--Vorträge, Round Tables, Poster Sessions und andere Events.

In der EU gibt es die gesetzliche Verpflichtung, Tierversuche – wo immer möglich – zu ersetzen, die Anzahl der Versuchstiere zu reduzieren und ihre Belastung zu verringern. Modernste technologische Fortschritte, wie etwa 3D Modelle, MultiOrganChips und Stammzellen können Tierleid nicht nur vermeiden, sie sind auch wesentlich besser für die Patient_innen.

In der Medizin hat man schon lange erkannt, dass Menschen, abhängig von Alter, Geschlecht und vielen anderen Faktoren, oft sehr unterschiedlich auf dieselbe Behandlung reagieren, deshalb gibt es etwa Fachgebiete wie Pädiatrie, Geriatrie, Gynäkologie, Urologie und Gender-Medizin. Sogar eineiige Zwillinge können unterschiedlich auf dieselbe Behandlung reagieren. Wenn nun aber Medikamente für menschliche Patient_innen an nicht-menschlichen Tieren entwickelt und getestet werden, ist damit ein großes Risiko für die menschlichen Patient_innen verbunden: Tierversuche verhindern einerseits medizinischen Fortschritt – Penicillin, Aspirin und Paracetamol sind nur einige Beispiele von Medikamenten, die nie auf den Markt gekommen wären, wenn man vorher Routine-Tierversuche durchgeführt hätte. Andererseits versagen 95% aller tierversuchsgeprüften neuen Medikamente bei ihrer Testung am Menschen, hauptsächlich weil sie nicht wirken oder weil sie schwerwiegende Nebenwirkungen haben. Und allein in Deutschlands internistischen Spitals-Abteilungen sterben jährlich 58.000 Menschen an unerwünschten Wirkungen tierversuchserprobter Medikamente. Moderne tierversuchsfreie Medizin hingegen vermeidet diese Fehler, indem sie an menschlichen Modellen bzw patientenspezifisch arbeitet. Noch dazu ist sie billiger und liefert schneller Resultate. So ist es etwa möglich, einer/einem Patienten_in, die_der eine Chemotherapie benötigt, Haar vom Kopfpolster oder der Haarbürste zu nehmen, aus der Haarwurzel sogenannte induzierte pluripotente Stammzellen zu gewinnen, aus diesen Stammzellen verschiedenste Mini-Organe in einem Trägergel zu züchten, diese Mini-Organe auf einem MultiOrganChip einzubetten und mit Mikrofluididik-Kanälen miteinander zu verbinden, um dann zig unterschiedliche Medikamenten-Kombinationen auszutesten und dem_der Patienten_in nur jene Medikamente zu geben, die sie_er am besten verträgt. Ebenso können von individuellen Patient_innen Krebszellen entnommen und an diesen getestet werden, welches Medikament diesen bestimmten Krebs am besten bekämpft.

Interessanterweise befasste sich eine Podiumsdiskussion mit den internationalen Auswirkungen, dass in Europa immer mehr Tierversuchs-Einrichtungen zusperren. Zu dieser Diskussion war auch der Rektor der JKU geladen, der ja ein Tierversuchslabor am Johannes Kepler Universitätsklinikum errichten lassen will; der Rektor war jedoch nicht bereit, sich der Öffentlichkeit zu stellen. Die Podiumsgäste bewerteten die europäische Entwicklung durchaus positiv, wiesen aber auch auf die Schattenseiten dieser Entwicklung hin. In England, dem Land mit den meisten Tierversuchen pro Einwohner_in, werden reihenweise Tierversuchs-Einrichtungen für immer geschlossen, darunter auch eine der größten Tierversuchs-Einrichtungen weltweit. Und in den Niederlanden will man ab 2025 alle Tierversuche zur Bewertung der Sicherheit von Chemikalien gesetzlich verbieten. In solchen Ländern würde es in der Zukunft zweifellos große Fortschritte in der Alternativen-Forschung und Anwendung geben, mit positiven Auswirkungen auch auf andere Länder weltweit, so die Podiumsgäste. Andererseits würden die Tierexperimentator_innen ihre Tierversuche wohl einfach in weniger entwickelten Ländern mit schlechteren Tierschutzbestimmungen fortsetzen, wie etwa in China …

… oder Österreich“, ergänzt VGT-Aktivist Roland Hoog, und sieht eine Weichenstellung: „Der Tierexperimentator, dem der Rektor der JKU ein Tierversuchslabor bauen will, hat offenbar Null Ahnung von Alternativen-Forschung und hat seine Heimat-Universität anscheinend deshalb verlassen, weil diese Tierversuche drastisch reduzieren und ‚Berlin zur Hauptstadt der Alternativen-Forschung‘ machen will. Wird die JKU mit dem Bau einer neuen Tierversuchs-Einrichtung einen Schritt Richtung Schwellenland machen, in dem jedem Fortschritt zum Trotz auch weiterhin die sinnlosesten Tierversuche gemacht werden? Oder wird der Rektor der JKU endlich die Dialog-Angebote der Alternativen-Forscher_innen annehmen, sich über moderne, tierleidfreie Methoden informieren, und Linz zu einer Hauptstadt für moderne patient_innen-spezifische Medizin machen?

Petition für tierversuchsfreie Forschung: Keine Tierversuche an der JKU!


Quellen und Links:

EUSAAT Kongress
Ärzte gegen Tierversuche
Charité 3R: Neues Zentrum für die Entwicklung von Alternativen zum Tierversuch eröffnet
Dorf TV - Open House: Technik statt Tierleid

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