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Salzburg, am 27.10.2022

Fiaker in Salzburg – Alle wichtigen Infos und FAQ

In Salzburg gibt es eine zivilrechtliche Vereinbarung zwischen Stadt Salzburg und Fiakern, diese läuft von Mai 2018 bis Ende April 2023. Im Mai 2023 soll diese Vereinbarung wieder um weitere fünf Jahre verlängert werden. Zuständig sind Bürgermeister Harald Preuner (ÖVP) und der Salzburger Bau- und Umweltausschuss.

Hier können Sie die Zivilrechtliche Vereinbarung ansehen.
Hier können Sie die dazugehörigen Vergabekriterien lesen.
Hier finden Sie die dazugehörigen Beilagen Beilage 7, Beilage 8

 

Die Vergabekriterien und Bestimmungen dieser zivilrechtlichen Vereinbarung sehen eigentlich strenge Konsequenzen für den Verstoß gegen die Kriterien vor, und zwar beim ersten Verstoß eine einmalige schriftliche Mahnung per eingeschriebenem Brief und bei einem weiteren Verstoß den sofortigen Entzug der Genehmigung für den Standplatz. Im Sommer 2022 wurden zahlreiche Verstöße gegen diese Kriterien dokumentiert - Konsequenzen gab es jedoch keine.

Pferde sind sensible Fluchttiere. Der Alltag in der modernen Großstadt zwischen Autos, Menschenmassen, Lärm und Abgasen setzt sie großem Stress aus. Dazu kommt das Gehen am harten Asphalt und die Hitze im Sommer.

Derzeit gilt in Salzburg eine Hitzefrei-Regelung für die Pferde ab 35 Grad, gemessen wird diese Temperatur jedoch in Salzburg-Freisaal am kühlen Stadtrand und nicht in der viel heißeren Altstadt. Im Dezember 2020 wurde vom Salzburger Gemeiderat einstimmig eine neue Hitzefrei-Regelung ab 30 Grad und eine Messung dieser Temperatur am Residenzplatz (Fiakerstandplatz) beschlossen. Doch aufgrund der laufenden Verträge, in denen 35 Grad und Messung in Freisaal festgeschrieben stand, konnten sich die Fiaker weigern, diese Regelung umzusetzen – was sie auch bis heute tun.

Nun möchte der Bürgermeister nicht nur die Fiakerverträge trotz zahlreicher im Sommer 2022 aufgedeckter Missstände (s. unten) ohne gezogene Konsequenzen um weitere fünf Jahre verlängern, sondern zudem auch die Hitzegrenze von 35 Grad wieder in die Vereinbarung aufnehmen.

Im Sommer 2022 wurden bei den Salzburger Fiakern zahlreiche Missstände aufgedeckt:

  1. Die verpflichtenden Ruhetage für die Pferde werden sehr oft nicht eingehalten.
  2. Ein Pferd wurde am Residenzplatz mit Chilipaste gequält.
  3. Einem Pferd wurde ins Gesicht geschlagen, Pferde werden mit der Peitsche traktiert und es wird teilweise grob an den Zügeln gerissen.
  4. Mehrfach konnten lahmende Pferde dokumentiert werden, ebenso Ausrutscher am glatten Pflaster, was zu gefährlichen Situationen für Mensch und Tier führen kann.
  5. Die Pferde müssen die Kutschen durch sehr enge Gassen ziehen, was im Ernstfall zu sehr gefährlichen Unfällen und Lebensgefahr führen kann.
  6. Einige Pferde tragen zu enges Geschirr und weisen abgeriebenes Fell auf.
  7. Die vorgeschriebene Fahrtroute wird systematisch nicht eingehalten.

Unsere Petition für ein Verbot der Fiaker in Salzburg haben bereits mehr als 23.000 Menschen unterzeichnet. Wir fordern ein sofortiges Verbot der Fiaker in Salzburg und einen Umstieg auf tierfreundliche Alternativen.

Fragen & Antworten

Oft wird der VGT mit Falschaussagen konfrontiert oder von besorgten Bürger:innen zu den Fiakern befragt. Auf die häufigsten Statements gehen wir im Folgenden näher ein:

1. Werden die Pferde geschlachtet/Kommen die Pferde in die Wurst, wenn die Fiaker verboten werden?

Nein. Fiakerpferde dürfen nicht geschlachtet werden, weil sie gewisse Medikamente bekommen, die eine Schlachtung (und den Verzehr durch den Menschen) verbieten. Eine bloße Tötung, weil man die Pferde nicht mehr haben möchte, stellt einen Verstoß gegen §5 des Tierschutzgesetzes dar (Verbot der Tötung ohne Grund). Eine Unterbringung auf einem Lebenshof wäre beispielsweise eine Lösung. Wer Tiere für finanzielle Zwecke ausnutzt, muss auch dafür verantwortlich gemacht werden, dass diese nach Beendigung der Einsätze artgerecht untergebracht und gepflegt werden.

2. Pferde sind Steppentiere und kommen mit den Bedingungen in der Stadt gut zurecht.

Pferde sind sensible Fluchttiere. Der Trubel, Lärm und Verkehr in der Stadt lösen bei ihnen großen Stress aus. Die Tiere sind dauernd reizüberflutet und fristen ein völlig unnatürliches und belastetes Leben inmitten von Städten. Eine Stadt ist außerdem keine Steppe. Die Hitze staut sich zwischen den Häusern und wird vom Asphalt reflektiert. Die Tiere sind somit direkter Sonneneintrahlung und großer Hitze ausgesetzt. Dazu kommt das Gehen am harten Asphalt, das bei ihnen zu Gelenks-, Knochen- und Sehnenproblemen führen kann. Zudem werden die Pferde durch das lange Stehen und das Eingespanntsein in ihrer natürlichen Bewegung eingeschränkt. Normalerweise würden Pferde bis zu 16 Stunden am Tag grasen und sich dabei langsam fortbewegen. Auch das ist in der Stadt nicht möglich, der Einsatz als Fiakerpferd deshalb NICHT artgerecht.

3. Für eine Senkung der Hitzeregelung auf 30 Grad fehlt die rechtliche Grundlage.

Es gibt einen einstimmigen Gemeinderatsbeschluss von Dezember 2020, der Hitzefrei für die Pferde ab 30 Grad und eine Messung dieser Temperatur am Residenzplatz vorsieht. In Innsbruck wurde die Hitzegrenze für die Pferde auf 32 Grad gesenkt. Es ist also durchaus möglich - wenn der politische Wille da ist.

4. Die Ställe der Fiaker sind wunderschön und den Pferden geht es dort sehr gut.

Es ist unerheblich, wie schön angeblich der Stall aussieht. Das Problem ist der Einsatz der Pferde in der Stadt, der sie unnötigem Leid und Stress aussetzt. Wie zwei Dokumentationen im Sommer (Juli und September) gezeigt haben, werden beispielsweise die Ruhetage für die Pferde systematisch nicht eingehalten, es wurden auch lahmende Pferde in der Stadt dokumentiert, dass die Pferde am glatten Pflaster ausrutschen, dass teilweise das Geschirr zu eng gezogen ist und sogar dass einem Pferd Chilipaste in den Mund geschmiert wurde.

5. Wenn Pferde nicht ausgenutzt werden/nicht arbeiten müssen, dann sterben sie aus.

Dass ein Tier sonst aussterben würde, rechtfertigt nicht das Zufügen von Leid an einzelnen Individuen. Zudem gibt es auch die Möglichkeit, Pferde als Haustiere zu halten oder ihnen auf einem Lebenshof ein artgerechtes Leben zu ermöglichen. Dass Pferde aussterben würden, wenn sie keine Kutschen mehr ziehen müssen, ist daher mehr als unwahrscheinlich. Zu beachten ist auch, dass viele Tiere ausschließlich zum Zweck der Ausbeutung gezüchtet werden. Dem ist Einhalt zu gebieten.

6. Pferde sind Nutztiere. Sie brauchen eine Arbeit und sie ziehen gerne Kutschen, sonst ist ihnen langweilig.

Pferde leiden in der Stadt und sind nicht dafür ausgelegt, Tourist:innen zu Unterhaltungszwecken durch Städte zu ziehen. Wir Menschen haben nicht das Recht, in das Leben der Tiere auf diese Weise einzugreifen. Die Unterteilung von Tieren in Haus- und Nutztiere ist moralisch diskriminierend. Pferde sind selbst in der Lage, sich argerecht körperlich zu betätigen, sofern ihnen die erforderliche Freiheit gewährt werden würde. Den Pferden wird das Ziehen der Kutschen "antrainiert". Man kann sich gut vorstellen, was passieren würde, wenn man in der freien Natur ein Wildpferd einspannen wollen würde - es würde sich wehren und weglaufen.

7. Fiaker gehören zu Salzburg. Das ist Tradition.

Tatsächlich sind die Fiaker in Salzburg keine jahrhundertealte Touristentradition, wie oftmals irrtümlicherweise angenommen. Erst seit ungefähr 80 Jahren werden Fiaker zur Beförderung von Tourist:innen eingesetzt. Davor waren die Fiaker ausschließlich als persönliches Fortbewegungsmittel für Fürsterzbischöfe gedacht.

Die Ausbeutung von Tieren ist tiefgreifend, inwendig und weltweit mit einem Heimatbegriff und Kultur verbunden. Wenn wir die Fiaker-"Kultur" verteidigen wollen, geht es automatisch auch um die Aufrechterhaltung und Verteidigung ebendieser Tierausbeutung. Wir sollten unsere gesellschaftliche Verantwortung wahrnehmen und eine tierleidfreie Zukunft ansteuern. Palma de Mallorca beispielsweise ging unlängst mit gutem Beispiel voran und verbietet Pferdekutschen ab 2024. Chicago, Barcelona, Montreal, Prag, Melbourne, Mumbai, Verona und Madrid, um nur einige Städte zu nennen, haben aufgrund des Tierwohls ein Fiakerverbot bereits umgesetzt.

8. Wenn die Fiaker abgeschafft werden würden, wären sämtliche Fiakerfahrer:innen und -unternehmer arbeitslos.

Andere Städte machen es Salzburg schon längst vor: Für eine romantische Stadtrundfahrt braucht es keine der Kutsche vorgespannten Pferde. Es gibt zahlreiche Alternativen zu einer Fahrt mit einem Fiaker. Die meisten Fiakerfahrten werden von Tourist:innen zu Sightseeing-Zwecken in Anspruch genommen. Gerade in größeren Städten gibt es zwischenzeitlich zahlreiche Möglichkeiten, Sehenswürdigkeiten zu erkunden.

Ein Umstieg auf tierleidfreie Fortbewegungsmittel ist der richtige Schritt in die Zukunft. Arbeitsplätze würden dadurch nicht verlorengehen, sondern lediglich einen anderen Charakter annehmen.

Jobs wandeln sich im Laufe der Zeit. Das war schon immer so. Früher gab es Unternehmen, die VHS-Kassetten produzierten oder Menschen, die in Video-Verleih-Geschäften gearbeitet haben - Netflix und andere Streamingdienste haben diese Jobs obsolet gemacht. Oder was ist mit Aufweckern, die Menschen vor der Erfindung des Weckers geweckt haben oder mit Henkern, als es die Todesstrafe noch gab? Unsere Gesellschaft wandelt sich, wird moderner und ethischer - das war schon immer so und wird auch in Zukunft so sein.

9. Ein Umstieg auf tierleidfreie Fortbewegungsmittel wie beispielsweise E-Fiaker ist finanziell nicht zu stemmen und würde die Fiaker ruinieren.

Gewiss ist ein Umstieg auf E-Fiaker oder andere tierfreundliche Alternativen mit einer finanziellen Investition verbunden. Dem kann allerdings entgegengehalten werden, dass für den Unterhalt der Pferde und die Instandhaltung der Straßen ebenso horrende Geldsummen anfallen. Unglaubliche 100.000 Euro sollen die jährlich durch die Pferdehufe verursachten Schäden am Straßenbelag allein in der Fußgängerzone in Salzburg ausmachen. Die Stadt sollte die Fiaker bei der wirtschaftlichen Neuausrichtung unterstützen. Dafür spricht sich auch die Salzburger Bürgerliste aus.

10. Salzburg ohne Fiaker wäre nicht mehr lebendig und für Tourist:innen nicht mehr sonderlich interessant.

Die Stadt würde weniger Geld einnehmen. Die Tourist:innen kommen nicht wegen der Fiaker nach Salzburg, sondern wegen Mozart, der Festspiele oder dem Film "Sound of Music", der Festung, der wunderschönen Architektur, dem faszinierenden kulturellen Angebot und der atemberaubenden Berg- und Seenwelt. Das wunderschöne "Rom des Nordens" braucht wirklich keine Ausnutzung von Pferden, um für Menschen aus anderen Ländern attraktiv zu sein. Auf viele Tourist:innen wirken die Fiaker zudem mittlerweile vielmehr abschreckend als einladend, da sie Mitleid mit den Pferden haben und nicht verstehen können, warum das in Salzburg überhaupt noch erlaubt ist.

11. Die Fiaker lieben ihre Pferde und behandeln sie wie ihre eigenen Kinder.

Pferde leiden in der Stadt. Wer Tiere liebt, beutet sie nicht für seine eigenen wirtschaftliche Zwecke aus. Oben genannte Missstände zeigen zudem eindeutig, dass die Lage noch bedeutend schlimmer ist als zuvor angenommen. Menschen haben zahlreiche Alternativen, mit tierleidfreien Geschäftsmodellen Geld zu verdienen, so auch die Fiaker.

12. Die Tierschützer:innen übertreiben. Sie sollten sich um die Tiere kümmern, denen es wirklich schlecht geht.

Das Ziel des VGT ist die Sensibilisierung der Bevölkerung für ein Ende der tierquälerischen Nutztierhaltung. Er möchte Mitgefühl und Respekt gegenüber allen Tieren in der Gesellschaft verankern. Der VGT hat viele Tierschutzkampagnen gleichzeitig. Mit Gruppen in allen Bundesländern arbeitet der VGT pausenlos daran, die Situation der sogenannten Nutztiere zu verbessern. Es gibt Kampagnen für die verschiedensten Tiere, wie beispielsweise die Kälber, die ins Ausland transportiert werden oder die kürzlich beendete Kampagne für ein Vollspaltenbodenverbot in der Schweinehaltung.

Dank Kampagnen des VGT gab es in der Vergangenheit schon zahlreiche Verbesserungen für alle möglichen Tiere. Hier nur einige Beispiele:

- Schließung aller Pelzfarmen (1998)
- Verbot von Wildtieren im Zirkus (2002 beschlossen, gültig seit 2005)
- Verbot der Käfighaltung von Legehühnern (2004 beschlossen, gültig seit 2009)
- Verbot von Tierversuchen an Menschenaffen
- Verbot der Käfighaltung von Kaninchen zur Fleischgewinnung (2007 beschlossen, gültig seit 2012)
- Verbot der Kastenstandhaltung von Mutterschweinen (2011 beschlossen, gültig ab 2033)
- Verhinderung der Besatzdichtenerhöhung bei Mastgeflügel (2015)
- Ende der Gatterjagd und des Aussetzens gezüchteter Tiere zur Jagd (2019 beschlossen, gültig ab 2029)
- Verbot des Vollspaltenbodes in der Schweinemast (2022 beschlossen, gültig ab 2040)

13. Pferde haben keinen Hitzestress, da sie Steppentiere sind.

Ganz im Gegenteil, sie sind an die Hitze gewöhnt. Im Prinzip sind Pferde Steppentiere, doch kommen sie mit Hitze unterschiedlich gut zurecht. Von einem Steppenklima kann in Salzburg allerdings keine Rede sein. Denn ein Steppenklima ist geprägt von großer Trockenheit, kann tagsüber hohe Temperaturen erreichen, kühlt nachts merklich ab und meist weht ein leichter Wind, der den Tieren hilft, sich zu regulieren. In Salzburg leiden die Pferde unter der schwülen Hitze und der hohen Luftfeuchtigkeit, die sich in der Innenstadt stauen. Zudem fehlt der angenehm kühle Wind. Eine Studie hat ergeben, dass sich die Temperatur der Pferde bei moderater körperlicher Betätigung drei bis zehn Mal schneller erhöht als diejenige der Menschen. Somit kann die Körpertemperatur von Pferden bei heißem und feuchtem Wetter innerhalb weniger Minuten ein gefährliches Ausmaß annehmen. Pferde spüren die Hitze bedeutend stärker als Menschen.

Weiterführende Informationen:

Hintergrundwissen Fiaker

Interview mit Pferde-Expertin

"When the rider is hot, the horse is hotter"


Sendung zum Thema im Tierrechtsradio:

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