Teilen:

Was machen Koi im Einkaufszentrum?

Im City Center Amstetten werden Koi gehalten. Der VGT ist wegen dieser fragwürdigen Zurschaustellung aktiv geworden.

Anfang April 2026 erhielt der VGT eine Nachricht von einer Privatperson, die besorgt über das Wohlergehen einiger Koi-Karpfen (Koi) war, die in einem Becken mitten im Einkaufszentrum City Center Amstetten (CCA) gehalten werden. Einige Zeit nach der Meldung waren VGT-Mitarbeiter:innen dort und schauten sich das Becken und die Fische genau an.

In einem Schreiben wurde die Geschäftsleitung des CCA auf mögliche Tierschutzprobleme bei der Haltung der Koi hingewiesen. Die Überprüfung vor Ort ließ nämlich Zweifel aufkommen, ob die Haltungsbedingungen den geltenden tierschutzrechtlichen Bestimmungen entsprechen. Beispielsweise fehlen ein artgerechter Bodengrund, Versteckplätze oder Deckungsmöglichkeiten. Die Fische sind den Besucher:innen schutzlos ausgesetzt. Münzen im Wasserbecken sind ein deutlicher Beweis dafür. Größe und Tiefe des Beckens könnten nicht ausreichend dimensioniert sein. Die gesetzlichen Grundlagen zur Haltung von Koi sind im Bundestierschutzgesetz (TschG) und in der 2. Tierhaltungsverordnung (2. THVO) zu finden.

Koi sind laut der 2. THVO primär Teichfische und nur bedingt als Aquarienfische zu halten. Dies verdeutlicht, dass die Gesetzgebung der naturnahen Haltung von Koi in Teichen eine besondere Wichtigkeit zumisst. Eine Haltung in einem Becken in einem Einkaufszentrum scheint unangemessen zu sein.

Der VGT wies in dem Schreiben auch darauf hin, die Haltung und Zurschaustellung der Koi in dem Wasserbecken im City Center Amstetten grundsätzlich zu überdenken.

Mag. Erich Schacherl, VGT Campaigner: "Koi so zu halten, ist höchst fragwürdig. Lebende Tiere sind keine Schauobjekte zum Vergnügen von Menschen. Im Sinne des Tierschutzes ist die Haltung von Fischen in so einem Becken in einem Einkaufszentrum abzulehnen. Das Wasserbecken bietet den Fischen weder einen art-, noch tier-, oder tierschutzgerechten Lebensraum".

Die Geschäftsleitung des City Centers Amstetten schickte folgende Antwort an den VGT: "Die Koi-Karpfen im City Center Amstetten werden engmaschig von einem externen Experten für Koi betreut, der auch die Haltungsbedingungen vor Ort sehr gut kennt. Nach Rücksprache mit dem externen Experten konnte er uns versichern, dass wir sämtliche Tierschutzgesetze und insbesondere die Tierhalteverordnung [sic!] einhalten. Wir haben jedoch Ihren Hinweis zum Anlass genommen, Schilder beim Becken aufzustellen, um ein allfälliges Werfen von Gegenständen in das Becken verhindern zu können".

Dieses für den VGT inhaltlich unzureichende Schreiben machte die Kontaktaufnahme mit dem "externen Experten" notwendig. Auf Ersuchen des VGT vermittelte die Geschäftsleitung den Kontakt zu dieser Person. Der inhaltliche Austausch fand schriftlich und telefonisch statt, führte jedoch zu keinem für den VGT zufriedenstellenden Ergebnis.

Deshalb schickte der VGT am 21. Mai eine Anfrage an die Veterinärbehörde der Bezirkshauptmannschaft (BH) Amstetten mit der Bitte um Informationen zur Beurteilung der Anlage und der Gesamtsituation. Zwei Monate lang blieb dieses Schreiben unbeantwortet. Eine neuerliche Anfrage am 20. Juli wurde dann noch am selben Tag erledigt. Darin informierte die BH Amstetten, dass am 27.05.2026 eine amtstierärztliche Kontrolle des Koibeckens im CCA durchgeführt wurde. (Zitat): "Mit veterinärbehördlichem Schreiben vom 03.06.2026 wurden sodann gegenüber dem Tierhalter unter entsprechender Fristsetzung diverse Verbesserungsmaßnahmen eingefordert ....".

Die Einschätzung des VGT, dass die Koihaltung möglicherweise nicht den tierschutzrechtlichen Bestimmungen entspricht, war also anscheinend richtig.

Mögliche tierschutzwidrige Haltungen von Koi beschäftigen den VGT immer wieder. Im Juli 2025 war es ein einzelner Koi, der im Untergeschoss einer Autobahnraststation an der Südautobahn gehalten wird.

Der VGT hat auch schon Anzeigen wegen Koi-Haltungen in Restaurants oder bei Privatpersonen erstattet. Ein Erfolg war die Beendigung der Haltung und Zurschaustellung von Fischen in einem Einkaufszentrum in der Steiermark Anfang des Jahres 2024.

Ein interessantes Detail zu den gesetzlichen Grundlagen ist, dass in der ursprünglichen Form der 2. THVO vom 1. Jänner 2005 die dauerhafte Aquarienhaltung von Koi verboten war. Mit der Änderung der 2.THVO im Jänner 2006 wurde dieses Verbot leider gestrichen. Dieses aus Tierschutzsicht positive Haltungsverbot von Koi in Aquarien hat nur etwas mehr als ein Jahr gegolten. Das dauerhafte Verbot wurde laut Internetrecherchen als "nicht praktikabel" eingestuft. Seltsam. Wer steht da wohl dahinter? Würde es noch immer gelten, gäbe es die Koihaltung im CCA nicht.

Koi ist ein japanisches Wort, übersetzt heißt es Karpfen. Der wissenschaftliche Name des Zier- oder Farbkarpfens ist Cyprinus carpio. Es handelt sich um eine Zuchtform des Karpfens. Es gibt zirka 200 Zuchtvariationen mit unterschiedlichen Farben und Musterungen. Vor allem in Japan sind Koi sehr beliebt, weil sie als Glückssymbol gelten. Koi werden auch in Österreich gezüchtet und gehandelt.

Koi so zu halten, ist höchst fragwürdig. Lebende Tiere sind keine Schauobjekte zum Vergnügen von Menschen. Im Sinne des Tierschutzes ist die Haltung von Fischen in so einem Becken in einem Einkaufszentrum abzulehnen.

VGT-Campaigner Mag. Erich Schacherl

Petition

Nein zur Fischfabrik in Gmünd!

Mehr zum Thema Wassertiere

13.08.2026, Wien

PDRN – Die Anti-Aging Kosmetik aus Lachssperma

Immer neue Kosmetik-Trends überschwemmen den Markt, nicht zuletzt durch künstlich herbeigeführte Hypes auf Social Media. Darin finden sich auch immer wieder Inhaltsstoffe, die einen tierquälerischen Ursprung haben. Einen besonders gehypten Trend wollen wir uns in diesem Artikel näher ansehen.

10.08.2026, Wien

Tierschutzprobleme bei Fischzucht in Kreislaufanlagen (RAS) - Teil 2

Bericht von Compassion in World Farming kritisiert RAS-Technologie in der Fischzucht.

05.08.2026, Wien

Tierschutzprobleme bei Fischzucht in Kreislaufanlagen (RAS) - Teil 1

Die Kritik an Wassertierfabriken nimmt zu. Aktuelle Veröffentlichungen beweisen die Tierschutzprobleme von RAS.

24.07.2026, Wien

Für die Rechte der Wassertiere

Der VGT veröffentlicht die Erklärung der Rechte der Wassertiere.

17.07.2026, Wien

Die Hälterung von Speisefischen aus Tierschutzsicht

Es ist üblich, Zuchtfische vor der Tötung hungern zu lassen. Tierfreundlich ist das nicht.

24.06.2026, Wien

Es sieht nicht gut aus für Wassertiere

Die Welternährungsorganisation hat einen Fischereibericht veröffentlicht. Tierschutz kommt darin nicht vor.

16.06.2026, Wien

Viel Tierleid im Fischstäbchen

Fischstäbchen enthalten das Fleisch vom Pazifischen Polardorsch. Beim Fang haben die Fische gelitten.

26.05.2026, Wien

Kein Tierschutz für den Afrikanischen Wels?

Immer mehr Aquakulturbetriebe in Österreich züchten Afrikanische Welse. Unzureichende Gesetze machen Tierschutzprobleme wahrscheinlich.

10.12.2025, Wien

Tierversuche mit Fischen in Österreich - Teil 3

Der Zebrafisch hat ungewöhnliche Fähigkeiten. Deshalb ist er bei Tierexperimentator:innen sehr begehrt.

21.11.2025, Wien

Tierversuche mit Fischen in Österreich – Teil 2

In mehreren Forschungsbereichen werden Tierversuche mit Fischen gemacht. Der VGT hat recherchiert.