Teilen:

Unversorgt durch Europa – Das Schicksal der Milchkälber

Hinweis: Der Inhalt dieses Beitrags in Wort und Bild basiert auf der Faktenlage zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung (03.11.2017)

Wien, 03.11.2017

Monatelang waren Tierschutz-AktivistInnen Kälbertransportern auf der Spur. Mit umfangreichem Foto- und Videomaterial dokumentierten sie den leidvollen Weg der Milchkälber von Vorarlbergs Bauernhöfen bis in die riesigen Masthallen Italiens.

Hintergrund

Damit eine Kuh wirtschaftlich gesehen ausreichend Milch gibt, muss sie jedes Jahr ein Kalb zur Welt bringen. Die Kälber werden meist noch am Tag der Geburt von ihren Müttern getrennt. Die meisten weiblichen Kälber werden später als Milchkühe weitergenutzt, die männlichen sind für die Milchwirtschaft nutzlos. Auch für die Mast eignen sie sich, aufgrund der Züchtung auf Milchleistung, kaum.

Sie werden verkauft, wobei ihr Marktwert bei nur 50 bis 80 Euro liegt. Wiegt ein Kalb weniger als 70 kg ist es komplett wertlos und wird, wenn noch Platz auf den LKWs ist, gratis von den Händlern mitgenommen. Diese Kälber sind ein ungewolltes Nebenprodukt der Milch-, und Käseproduktion - dementsprechend grob ist auch oft der Umgang mit ihnen.

Tausende Kälber werden jedes Jahr aus Vorarlberg ins Ausland transportiert - 80.000 aus ganz Österreich. Das Ziel sind riesige Mastanlagen in Italien, Spanien und Polen.

Durstig quer durch Europa

Die 2 bis 8 Wochen alten Tiere müssen während der kompletten Transportzeit Hunger und Durst leiden, denn eine Versorgung auf den LKWs ist technisch nicht möglich. Da es keine geeigneten Tränksysteme für Saugkälber gibt, dürften die Transporte lt. EU-Verordnung nicht länger als 8 Stunden dauern. Im aktuell dokumentierten Fall waren die Kälber aus Vorarlberg mehr als 16 Stunden ohne Versorgung.

Tobias Giesinger, Kampagnenleiter des VGT dazu: Selbst wenn die Transportfahrzeuge den gesetzlichen Bestimmungen entsprechen und die Behandlung der Tiere in den Sammelstellen korrekt wäre, sind Langstrecken-Transporte von nicht entwöhnten Kälbern nicht tiergerecht durchführbar. Da die Kälber noch von der Muttermilch abhängig sind können sie während der kompletten Transportzeit nicht versorgt werden. Ein Umstand der nicht nur eine enorme Qual für die betroffenen Tiere bedeutet sondern auch klar gegen die EU-Tiertransportverordnung verstößt.

Andere Recherchen

Hinweis

Milchalternativen

26.01.2026, Wien

Amphibienschutzprojekt Hanslteich: Einschulung für freiwillige Helfer:innen

Dir ist das Artensterben nicht wurst? Hilf diesen Frühling mit, Amphibien zu retten!

15.01.2026, Österreich

Hintergrundwissen Jagd

14.01.2026, Steiermark

Ein Semester voller Fragen, Einsichten und Gespräche

Der Tierschutzunterricht in der Steiermark im Rück- und Ausblick

14.01.2026, Graz

VGT spricht im Petitionsausschuss des Steirischen Landtags über Schweine-Vollspaltenboden

Erfolgreich eingebrachte Petition appelliert an Landtag, Schweinebetrieben den Umstieg vom Vollspaltenboden auf Tierwohlställe mit tiefer Stroheinstreu zu erleichtern

08.01.2026, Wien/Dänemark

Dänemarks Schweinehaltung mit Mindeststandard Österreich 2038: Schwanzbeißen

Neues Video von einem Besuch in einer dänischen Schweinefabrik mit „Gruppenhaltung Neu“ zeigt, dass dort routinemäßig Schwänze kupiert werden und trotzdem Schwanzbeißen auftritt

30.12.2025, Linz

OÖ: VGT bringt 12 Anzeigen gegen in flagranti erwischte Singvogelfänger ein

Übertretungen der OÖ Artenschutzverordnung, des Tierschutzgesetzes und der EU Tiertransportverordnung: zu viele Lockvögel, Beifang, Transport in Käfigen im Rucksack

24.12.2025, Wien

Fische sind Freunde, kein Essen

Stiller VGT-Protest für Fische, deren Stimmen nicht gehört werden

23.12.2025, Wien

Fiakerfahrer nach Angriff auf Tierschützer verurteilt

Ein Fiakerfahrer wurde am Bezirksgericht Wien Innere Stadt schuldig gesprochen, einen Aktivisten im August körperlich verletzt zu haben.