26.06.2026
VGT fordert anlässlich Hitzewelle: Keine Fiakerfahrten in Wien
Die momenanten Regelungen reichen nicht aus, um Pferde vor der Hitze zu schützen.
VEREIN GEGEN TIERFABRIKEN
Viele Fiakerpferde fristen ein völlig unnatürliches und belastendes Leben inmitten der Großstädte Wien, Salzburg und Innsbruck. Sie dienen als Touristenattraktion. Die Reizüberflutung der Stadt überfordert die Tiere. Scheuklappen sind die Regel, um den Fahrbetrieb überhaupt zu ermöglichen. Der VGT fordert die vollkommene Beendigung des Betriebs von Fiakerfuhrwerken in der Stadt.
Hinweis: Der folgende Inhalt dieser Seite in Wort und Bild basiert auf der Faktenlage zum Zeitpunkt der letzten Aktualisierung (06.08.2026)
Wo gibt es überall Fiaker in Österreich?
In Wien gibt es 19 Fiaker-Unternehmen. Standplätze gibt es in der Inneren Stadt am Stephansplatz, Michaelerplatz, Albertinaplatz, Petersplatz und Burgtheater/Volksgarten. Außerdem gibt es Fiakerrundfahrten am Wiener Zentralfriedhofs und im Schlosspark Schönbrunn. Die Fahrer:innen müssen zusätzlich eine spezielle Kleidung tragen, welche der traditionellen Eigenart der Fiaker-Fahrer:innen entspricht. Dazu gehört unter anderem ein Hemd oder eine Bluse, Sakko oder Blazer sowie eine Melone1.
In Salzburg befindet sich der Fiakerstandplatz am Residenzplatz entlang der Mauer des Salzburger Doms. 15 Kutschen von je zwei Pferden gezogen sind in Salzburg unterwegs.
In Innsbruck gibt es nur einen Fiaker-Standplatz hinter der Hofburg am Rennweg und ca. drei Fiaker-Unternehmen.
Auch im Sommer 2026 beschäftigte sich der VGT intensiv mit dem Hitzeleid der Wiener Fiakerpferde. Für besondere Aufregung sorgten Fiakerunternehmer, die mit ihren Kutschen trotz eindeutiger Hitzeprognose von über 35 Grad in die Wiener Innenstadt gefahren sind. Im Zuge dessen erreiche unsere Petition, die Hitzefrei für Wiens Fiakerpferde ab 30 Grad fordert, über 80 000 Unterschriften.
Wir werden unsere Petition Ende Oktober 2026 an den zuständigen Wiener Tierschutzstadtrat Jürgen Czernohorszky (SPÖ) überreichen. Die Petition läuft bis zur Übergabe weiter.
Grundsätzlich unterliegt die Haltung von Pferden in Österreich dem Bundestierschutzgesetz bzw. der 1. Tierhaltungsverordnung. Hier ist unter anderem geregelt, wie die Tiere unterzubringen sind, wie viel Bewegungsfreiheit ihnen zusteht und wie sie zu ernähren und betreuen sind. 2016 wurde das Wiener Fiaker- und Pferdemietwagengesetz novelliert. Seither dürfen Pferde ab 35 Grad, gemessen an der Wetterstation Wien Innere Stadt der Geosphere Austria nicht mehr im Einsatz sein. Wird an einem Tag die 35 Grad-Marke geknackt, müssen die Fiaker nach Hause fahren und dürfen den restlichen Tag nicht mehr zurück kommen.
Auf Grund der immer höheren Temperaturen im Sommer gibt es Regelungen zum Schutz der Pferde bei großer Hitze. Der VGT setzt sich seit Langem für eine gesetzliche Regelung ein, die den Tieren bereits ab 30 Grad hitzefrei zuspricht, da sie bereits ab dieser Temperatur deutlich leiden.
Wien
2016 wurde das Wiener Fiaker- und Pferdemietwagengesetz novelliert. Seither dürfen Pferde ab 35 Grad, gemessen an der Wetterstation Wien Innere Stadt der Geosphere Austria nicht mehr im Einsatz sein. Wird an einem Tag die 35 Grad-Marke geknackt, müssen die Fiaker nach Hause fahren und dürfen den restlichen Tag nicht mehr zurück kommen.
Salzburg
Mit der Verlängerung des Fiakervertrags im Jahr 2023 (Laufzeit bis 2028) wurde die Hitzefrei-Regelung für die Pferde komplett gestrichen. Dies, obwohl der Salzburger Gemeinderat im Dezember 2020 einstimmig ein Hitzefrei ab 30 Grad mit Messung dieser Temperatur am Residenzplatz beschloss3, welches jedoch bis heute (Stand August 2026) immer noch nicht umgesetzt wurde.
Innsbruck
Ein Genehmigungsbescheid der Stadt Innsbruck gibt vor, dass die Pferde hitzefrei bekommen, sobald das Thermometer an der Messstation Flughafen Innsbruck 32 Grad erreicht. Die Mobile Überwachungsgruppe (MÜG) kontrolliert die Einhaltung, bei Missachtung drohen Geldstrafen4.
Der ganze Körper der Pferde ist an viel Bewegung angepasst. Solange die Pferde angeschirrt sind, können sie sich nicht in einer Weise frei bewegen, wie es ihrem natürlichen Verhalten entsprechen würde. Am Standplatz müssen die Pferde oft länger stehen. Langes Stehen kann zu Problemen im Bewegungsapparat der Pferde führen.5,6
Pferde sind Fluchttiere. Ihr ganzer Körper ist auf viel Bewegung angepasst. Ewiges Stehen führt zu Problemen im Bewegungsapparat der Pferde.8, 9
Wenn die Pferde eine Kutsche ziehen, müssen sie oft am harten Asphalt, Pflaster oder Beton gehen. Das kann zu Knochen-, Gelenk- oder Sehnenproblemen führen. 10, 11, 12
Es kann zu Fellabschürfungen kommen, wenn das Geschirr nicht passt oder zu fest angezogen ist, wenn das Pferd unsachgemäß oder zu lange angeschirrt war, oder wenn der Poo-Bag reibt.8
Pferde sind Steppentiere, aber eine Großstadt ist keine Steppe und nciht die natürliche Umgebung für Pferde. In der Steppe würden die Pferde an heißen Tagen kühlere Plätze aufsuchen. In der Stadt sind sie tagsüber in ihrem Geschirr eingespannt und können sich nicht frei bewegen. Sie können deshalb auch nicht immer trinken, wenn sie durstig sind, sondern nur, wenn ihnen am Standplatz Wasser angeboten wird. Die zusätzliche Hitzebelastung der Stadt darf ebenso nicht unterschätzt werden. Durch den Asphalt und die Häuser wird im Sommer enorme Hitze abgestrahlt.8, 13
Pferde sind Fluchttiere, die ihre Sinne verwenden, um Gefahren zu orten. Der Lärm, die Autos, Fahrräder und Menschenmassen in der Stadt lösen bei vielen Pferden Stress aus. Um den Fluchtreflex der Pferde zu minimieren, wird ihre Sicht oft mit Scheuklappen eingeschränkt.8
Am Beschlag der Fiakerpferde sind oft Mängel festzustellen: Nur ein paar Fiakerpferde haben Dämpfungen zwischen Huf und Eisen, was beim Gehen auf hartem Asphalt eine Schonung der Hufe und der Gelenke mit sich bringt. Leider ist diese Dämpfung nicht gesetzlich vorgeschrieben. Oft versuchen die Halter:innen die Beschlagsperioden möglichst lang hinauszuzögern. Bei Fiakerpferden werden die Eisen mit 8 statt mit 6 Nägeln am Huf befestigt, damit sie diese nicht so leicht verlieren. Der Griff, ein Eisensteg am Hufeisen, soll dazu dienen, dass die Fiakerpferde weniger rutschen. Doch dadurch steht das Pferd nur auf 3 Punkten, wodurch es einen schlechteren Halt hat.
Oft werden billige Pferde aus östlichen Ländern für den Fiakerbetrieb gekauft, die dann solange eingesetzt werden, bis sie körperlich komplett verbraucht sind. Darunter findet man immer wieder Pferde mit starken Fußfehlstellungen. Für diese Tiere ist das ständige Gehen auf Asphalt eine zusätzliche Belastung.
Fiakerpferde bekommen oft Maulkörbe umgebunden. Einige Pferde sind der völlig unnatürlichen Belastung nicht gewachsen. Sie werden aggressiv und schnappen nach Passant:innen oder nach ihren Pferdenachbarn. Stundenlanges Stillstehen ist keine Ausnahme. Als einzige Abwechslung bleibt das Beknabbern des Geschirrs. Einige Pferde können sich nie an die Belastung gewöhnen, diese sollten aus dem Fahrbetrieb genommen werden. Stattdessen verpasst man ihnen einen Maulkorb, um sie wieder einsatzfähig zu machen. Die Maulkörbe sind aus Plastik oder aus Leder mit Löchern oder Ritzen. Sie erschweren die Atmung und die Pferde sind in ihrem Sozialverhalten noch stärker eingeschränkt. Da das Tierschutzgesetz in § 5 (2) 10. verbietet, ein Tier einer Bewegungseinschränkung auszusetzen, sind Maulkörbe bei Pferden verboten.
Immer öfter wird den Pferden der Schweif am Gespann festgebunden, um zu verhindern, dass sie mit dem Schweif die Leine erwischen und festhalten. Für die Pferde ist dies eine starke Einschränkung in ihrem Verhaltensrepertoire und in ihrem Wohlbefinden, da sie den Schweif u.a. auch verwenden, um lästige Fliegen zu verscheuchen. Da das Tierschutzgesetz in § 5 (2) 10. verbietet, ein Tier einer Bewegungseinschränkung auszusetzen und in § 13 (3) vorgeschrieben ist, dass Tiere so zu halten sind, dass ihre Körperfunktion und ihr Verhalten nicht gestört werden, ist auch das Schweifanbinden verboten.
Immer wieder kommt es zu folgenschweren Unfällen mit Fiakern und Pferdefuhrwerken. Diese sprechen dafür, dass Fiakerpferde dem Stress nicht gewachsen sind. Kleinste nicht vorhersehbare Zwischenfälle können diese Fluchttiere in Panik versetzen, so dass es für die Kutscher:innen nicht mehr möglich ist, diese Tiere unter Kontrolle zu halten.8, 9
Pferde bekommen an den Standplätzen kein Heu. Das ist sehr schädlich für den Stoffwechsel der Tiere, der eigentlich darauf ausgelegt ist, dass die Tiere normalerweise den ganzen Tag mit der Nahrungsaufnahme verbringen würden.7,8
Die Tiere sind gezwungen, tagein tagaus neben Artgenoss:innen zu stehen, die sie sich nicht aussuchen können. Das ist nicht natürlich und entspricht nicht dem komplexen Sozialverhalten der Tiere. In einer natürlichen Umgebung würden Pferde zum Beispiel von rivalisierenden Tieren einfach weggehen bzw. könnten sich bei Streitigkeiten wehren. Angeschirrt an der Kutsche ist dies nicht möglich.9
Das Gesetz schreibt den Pferden zwar einen sogenannten freien Auslauf zu, dieser muss allerdings nur der doppelten Box-Größe entsprechen. Auch ein natürlicher weicher Untergrund ist nicht vorgeschrieben, ein Innenhof auf hartem Asphalt reicht laut Gesetz als freier Auslauf völlig aus. Die Pferde können sich dadurch nie auf natürliche Weise bewegen oder Sozialkontakte pflegen.
Den Pferden wird in den Boxen oft keine oder zu wenig Einstreu als Liegefläche zur Verfügung gestellt. Das Liegen auf hartem Untergrund ist unangenehm und schadet der Gesundheit der Pferde.
Der VGT engagiert sich schon seit vielen Jahren dafür, dass die Bedingungen für Fiakerpferde verbessert werden. Ziel ist ein Ende dieser Tierqual-Tradition.
WIEN
In Wien gab es bereits zahlreiche Gespräche mit Tierschutzsprecher:innen der Stadtpolitik, dem Veterinäramt und der Tierschutzombudsstelle Wien. Außerdem hat der VGT 2018 die Allianz Pro-Fiakerpferde mitbegründet und sammelt seit Jahren mit einer Petition Unterschriften für bessere Bedingungen für die Tiere, wie etwa einer Hitzefrei-Regelung ab 30 Grad. Jedes Jahr finden zudem zahlreiche Demonstrationen und Medienaktionen gegen die Ausbeutung der Fiakerpferde statt. Seit vielen Jahren zeigt der VGT außerdem rigoros Gesetzesverstöße der Fiaker an.
Die häufigsten Übertretungen sind dabei:
Dabei kommt oft auch Hilfe aus der Bevölkerung, die Verstöße an den VGT meldet. Für eine Anzeige sind Angaben zu Ort und Art der Übertretung, Datum und Uhrzeit, die F-Nummer und Platzkarte (beide wie ein Kennzeichen hinten an der Kutsche montiert) und ein Beweis, z.B. eine:n Zeugen:Zeugin oder ein Foto, notwendig.
Was dabei beachtet werden muss, ist im Artikel Wie anzeigen? noch einmal ausführlich zusammengefasst.
SALZBURG
Tierquälereien:
Über die Jahre haben wir viele Tierquälereien dokumentiert bzw. Videoaufnahmen erhalten, die solche zeigten.
Leider haben wir im Zuge der Landtagssitzung am 12. Juni 2024 erfahren, dass alle Verfahren betreffend angezeigter Tierquälereien einfach eingestellt wurden.
Ruhetage:
Laut dem damals geltenden Vertrag war für die Pferde nach einem Tag in der Stadt mindestens ein Ruhetag verpflichtend. Im Sommer 2022 haben wir über drei Wochen lang täglich dokumentiert und festgestellt, dass die Pferde trotzdem sogar bis zu vier Tage hintereinander in der Stadt waren. Eine Nachkontrolle im September 2022 ergab, dass sich die Fiaker noch immer nicht an die Ruhetage hielten. Auch hier gab es keinerlei Konsequenzen durch das Magistrat, obwohl auch in diesem Fall allen Fiakern die Genehmigung hätte entzogen werden müssen.
Die skandalösen Konsequenzen unserer Dokumentationen:
Als der Fiakervertrag Anfang 2023 verlängert wurde, wurden die Tierschutzkriterien dramatisch verschlechtert:
(2) Fiaker
(4) Erstmals hitzefrei für Fiakerpferde
(5) Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV), Referat Tierschutz (2009) Leitlinien zur Beurteilung von Pferdehaltungen unter Tierschutzgesichtspunkten.
(6) Pferdesport Deutschland: Auslauf und Weide - Freie Bewegung ist für Pferde ein Muss (Zuletzt aufgerufen: 06.08.2026)
(7) Feige, K.; Fürst, A.; Wehrli Eser, M. (2012): Auswirkungen von Haltung, Fütterung und Nutzung auf die Pferdegesundheit unter besonderer Berücksichtigung respiratorischer und gastrointestinaler Krankheiten.
(8) Brade, W.; Distl, O.; Sieme, H.; und Zeyner, A. (HRSG.) (2011): Pferdezucht, -haltung und -fütterung. Empfehlungen für die Praxis. Landbauforschung. Sonderheft 353. Braunschweig: Johann Heinrich von Thünen-Institut.
(9) Kutschen-Unfälle und Skandale – halten die Tiere dem Stress noch Stand?
(10) Crevier-Denoix, N., Ravary-Plumioën, B., Vergari, C., Camus, M., Holden-Douilly, L., Falala, S., ... & Pourcelot, P. (2013). Comparison of superficial digital flexor tendon loading on asphalt and sand in horses at the walk and trot. The Veterinary Journal, 198, e130-e136.
(11) Scheffer, C. J. W., & Back, W. (2001). Orthopaedics: effects of ‘navicular’shoeing on equine distal forelimb kinematics on different track surface. Veterinary Quarterly, 23(4), 191-195.
(12) Parkes, R. S. V., & Witte, T. H. (2015). The foot–surface interaction and its impact on musculoskeletal adaptation and injury risk in the horse. Equine veterinary journal, 47(5), 519-525.
(13) Hoinkis, J. H. (2022). Hitze in der Stadt Jena.
24.08.2023
Trotz der andauernden Hitzewelle und Temperaturen jenseits der 30 Grad in der Salzburger Altstadt müssen die Fiakerpferde ihre unfreiwilligen Runden auf dem glühenden Pflaster drehen. Das Thermometer am Alten Markt zeigte am Dienstag zur Mittagszeit erdrückende 33 Grad Celsius im Schatten an.