Ferkelspenden! vgt.at Verein gegen Tierfabriken Menü

Hinweis: Der Inhalt dieses Beitrags in Wort und Bild basiert auf der Faktenlage zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung (28.06.2011)

Fakten und Zahlen zur Kastenstandhaltung von Schweinen

Jedes Jahr werden in Österreich etwa 5,5 Millionen Schweine geschlachtet. Momentan werden knapp mehr als 3 Millionen Schweine gehalten. Insgesamt werden so 545.818 Tonnen Schweinefleisch jährlich produziert. Dafür müssen allein 600.000 Tonnen an gentechnisch verändertem Sojaschrot als Futter importiert werden. Insgesamt werden den Schweinen pro Jahr 2,5 Millionen Tonnen Nahrungsmittel verfüttert, die auch von Menschen gegessen werden könnten. Mit dem Umweg in der Nahrungskette durch die Verfütterung von genießbaren Nahrungsmitteln an Schweine, ist ein enormer zusätzlicher Ressourcenaufwand nötig, der sich in einer entsprechend größeren Umweltbelastung niederschlägt.

Inhalt


Schweinebauernsterben

Die Schweinehaltung in Österreich orientiert sich an den EU-Mindestrichtlinien, sie ist also in der EU die schlechtest mögliche. Jedes Jahr müssen etliche Schweinebetriebe zusperren. Dieser Trend ist seit 1960 ungebrochen. Allein im letzten Jahr (2010) gaben 19% der Schweinebauern auf. Mit um nicht zu sagen wegen der Kastenstandhaltung geht die Anzahl der Schweine haltenden Betriebe dramatisch zurück:

  • von 1960 (390.420 Betriebe) bis 2010 (30.805 Betriebe) um 92,2%
  • von 1995 (112.080 Betriebe) bis 2010 (30.805 Betriebe) um 73%
  • allein im letzten Jahr (2009: 38.002 Betriebe) um 19%

In der Schweinehaltung mit ihren schlechtesten Tierschutzbestimmungen ist das Bauernsterben am größten!

 


Käfigverbot bei Legehennen bewirkt Zuwachs an Betrieben

Im Bereich der Eierproduktion zeigt sich nach dem Verbot der Käfighaltung (2004 beschlossen und 2009 in Kraft getreten) ein genau gegenteiliges Bild. Hier ist die Anzahl der Betriebe seit 2005 um 17% gestiegen (2005: 1500 Betriebe; 2010: 1757 Betriebe).

Der gegenüber der EU-Mindestrichtlinie höhere Tierschutzstandard führte also zu Betriebsgründungen.

Ebenso ist die Anzahl der Legehühner gestiegen (2005: 4,5 Millionen Hühner; 2010: 5,7 Millionen Hühner).

 


Die Betriebsgrößen nehmen dramatisch zu

Die ursprünglich noch kleinstrukturierte Landwirtschaft sirbt.

Parallel zum Schweinebauernsterben explodieren die Betriebsgrößen. Wie sich zeigt, steigt die durchschnittliche Anzahl von Schweinen pro Betrieb exponentiell an. Allein von 2005 auf 2010 verdoppelte sich die durchschnittliche Betriebsgröße fast und stieg von 58 auf 102 Schweine pro Betrieb an. Zu bedenken ist, dass dieser Durchschnittswert auch stark nach unten gedrückt, also verfälscht wird, da hier auch alle Bauern inbegriffen sind, die ein oder zwei Schweine zum Eigenbedarf halten. Die durchschnittliche Größe kommerzieller Schweinehaltungsbetriebe ist daher viel höher als es hier den eindruck macht.

 


Selbstversorgungsgrad mit Ferkeln nur 88%

Jährlich werden etwa 830.000 Ferkel hauptsächlich aus Deutschland zur Mast nach Österreich importiert. Gleichzeitig gibt es auch eine jährliche Ausfuhr von ca. 30.000 lebenden Ferkeln. Der Selbstversorgungsgrad mit Ferkeln für die Schweineproduktion in Österreich beträgt daher nur etwa 88%.

 


Regelung der Kastenstandhaltung von Mutterschweinen in Österreich

Ein Kastenstand ist ein 65 cm breites und 1,9 m langes Gitter, also körpergroß für ein Mutterschwein.

Die Zeit im DECKSTALL: 16 Wochen pro Zyklus oder 277 Tage pro Jahr

Diese setzt sich zusammen aus der Leerzeit (1-2 Wochen) und der Schwangerschaft (3 Monate+3Wochen+3Tage)

Gesetzliche Regelung

  • Heute: durchgehend Kastenstand erlaubt (72% der Mutterschweine), d.h. 16 Wochen Kastenstand pro Zyklus
  • EU-Mindestrichtlinie ab 2013: Kastenstand ab 4 Wochen nach dem Decken bis 1 Woche vor der Geburt verboten, d.h. 5 Wochen Kastenstand pro Zyklus
  • Verordnungsentwurf: Kastenstand ab 10 Tage nach dem Decken bis 1 Woche vor der Geburt verboten, d.h. 2 ½ Wochen Kastenstand pro Zyklus

Die Zeit im ABFERKELSTALL: 5 Wochen pro Zyklus oder 88 Tage pro Jahr

Diese setzt sich zu sammen aus der Zeit unmittlbar vor der Geburt (1 Woche) und der Säugezeit (4 Wochen)

  • Heute: durchgehend Kastenstand erlaubt (98% der Mutterschweine), Kastenstand in Abferkelbucht (4 m²), d.h. 5 Wochen Kastenstand pro Zyklus
  • EU-Mindestrichtlinie ab 2013: durchgehend Kastenstand erlaubt, d.h. 5 Wochen Kastenstand pro Zyklus
  • Verordnungsentwurf: Haltung in der Abferkelbucht (5,5 m²), Kastenstand bei Aggression im Einzelfall von 1 Tag vor der Geburt bis 3 Tage danach, d.h. 4 Tage Kastenstand pro Zyklus

Insgesamt:

  • Heute: 12 Monate Kastenstand pro Jahr erlaubt
  • EU-Mindestrichtlinie ab 2013: 6 Monate Kastenstand pro Jahr erlaubt
  • Verordnungsentwurf: 1 ¾ Monate Kastenstand pro Jahr erlaubt

 


Die schwedischen Abferkelsysteme

Das schwedische Tierschutzgesetz sieht folgendes vor:

  • In den ersten Tagen nach der Geburt darf die Bewegungsfreiheit des Mutterschweins durch ein Gitter eingeschränkt werden, wenn sie Aggression oder abnormes Verhalten zeigt und dadurch ihre Ferkel bedroht. Das tritt in 2-5% aller Fälle auf.
  • Wenn das Mutterschwein behandeln werden muss, kann es für diese Zeit auch durch Gitter eingeschränkt werden, sofern sein Verhalten eine Gefahr für die BetreuerInnen darstellt.
  • Weibliche Zuchtschweine, die in Gruppen gehalten werden, können während der Fütterung oder wenn sie behandelt werden müssen ebenfalls mit Gittern eingeschränkt werden.

Zwei Buchtensysteme:

Schwedische Abferkelbucht mit beweglichem Gitter

Auf dem linken Bild ist die Bucht mit offenem Gitter zu sehen, auf dem rechten mit geschlossenem.

 

Schwedische Abferkelbucht ohne Gitter

 


Keine höheren Ferkelverluste ohne Kastenstand

Solange die freie Bucht entsprechend strukturiert ist und eine Mindestgröße von 5 m² überschreitet, sind die Ferkelverluste ohne Kastenstand nicht höher als mit. Das ergeben zahlreiche wissenschaftliche Studien.

Schweden mit freien Abferkelbuchten seit 1988 weist keine höheren Ferkelverluste auf, als andere Länder:

C................Kanada
DK.............Dänemark
Fi...............Finnland
Fr...............Frankreich
N................Norwegen
S................Schweden
USA..........Vereinigte Staaten von Amerika

Die unterschiedlichen durchschnittlichen Wurfgrößen hängen damit zusammen, dass in den einzelnen Ländern Schweine unterschiedlicher Zuchtlinien verwendet werden. Dänemark weist mit durchschnittlich 16 Ferkel pro Wurf, die in diesem Ländervergleich bei weitem höchste Wurfgröße auf. Schweden liegt mit einer durchschnittlichen Wurfgröße von etwas mehr als 13 Ferkeln im Mittelfeld.

 

Für die Höhe der Ferkelverluste ist hauptsächlich die Wurfgröße entscheidend

Für die hohen Ferkelverluste in der Schweineindustrie ist hauptsächlich die Zucht zu immer höheren Wurfgrößen verantwortlich. Wissenschaftliche Studien zeigen, dass mit der Wurfgröße die Anzahl der toten Ferkel pro Wurf exponentiell ansteigt.

Auch eine Studie der dänischen Aarhus-Universität zeigt, dass die heute sehr hohen Ferkelverluste mit Kastenstand aufgrund der einseitigen Züchtung der weiblichen Schweine zu möglichst vielen Ferkeln pro Wurf auftreten

Gab es 1992 noch 11 Ferkel pro Wurf, so sind es heute 16. Mit diesem Anstieg der Ferkel pro Wurf ging gleichzeitig ein Anstieg von 17% auf 25% der Anzahl von Ferkeln einher, die bis zum Absetzen sterben. Die höheren Ferkelverluste sind hauptsächlich eine Folge der vermehrt auftretenden Totgeburten.

 

Ferkelerdrückungen passieren hauptsächlich in den ersten drei Tagen

Eine Studie des dänischen Schweinezüchterverbands bestätigte wissenschaftlich, dass die vermehrten Erdrückungsverluste der Ferkel nur in den ersten 3 Tagen auftreten

Bereits bekannt ist, dass Muttertiere ohne Kastenstände mehr Milch geben und damit stärkere Ferkel produzieren. Durch die Kombination von einer Kastenstandhaltung nur in den ersten 3 Tagen, wie es der Verordnungsentwurf des SPÖ-Gesundheitsministeriums vorsieht, könnte damit das Erdrücken der Ferkel minimiert und gleichzeitig die Überlebensrate maximal gesteigert werden. Bei der Studie schnitten diese „Kombisysteme“ am besten ab.

Die Studie umfasst vier experimentelle Gruppen:

  • BB7: Kastenstand vor und während dem Abferkeln und Kastenstand bis zum 7. Tag nach dem Abferkeln (Kontrolle)
  • LB7: Lose vor und während dem Abferkeln und Kastenstand bis zum 7. Tag nach dem Abferkeln
  • LB4: Lose vor und während dem Abferkeln und Kastenstand bis zum 4 Tage nach dem Abferkeln
  • LL: Lose vor und während dem Abferkeln und lose nach dem Abferkeln

Die Abbildung zeigt die zeitliche Entwicklung der Ferkelsterberrate. In den ersten Tagen nach dem Abferkeln starben mehr Ferkel in der Bucht, in der die Sau lose war (LL), als in den Buchten, in denen sie im Kastenstand war. Von Tag 3 an sind die Steigungen der Kurven sehr ähnlich. Ab dann gibt es keine Unterschiede in der Ferkelsterblichkeit zwischen den vier Gruppen. In den Gruppen LB7, LB4 und LL gab es keine toten Ferkel währen der Periode, vom Ende der Kurve bis Tag 10. Das durchschnittliche Alter der toten Ferkel lag bei 2,8 Tagen in Gruppe LL und zwischen 3,5 und 4,5 Tagen in Gruppe BB7, LB7 uznd LB4 (P <0,001).

Basierend auf den Ergebnissen dieser Tests können Kastenstände nach den ersten kritischen Tagen, in denen die Ferkel einen besseren Zugang zu den Zitzen finden, von Vorteil sein. Frühere Studien haben gezeigt, dass das Absetzgewicht erhöht wird, wenn die Mutterschweine mehr Platz haben. Das Öffnen des Kastenstands setzt jedoch voraus, dass der Boden geeignet ist, sodass die Aufrechterhaltung einer guten Hygiene möglich ist.


Das Leid der Mutterschweine im Kastenstand

Schweine im Kastenstand weisen deutlich häufiger Krankheiten und sonstige körperliche Probleme auf als Mutterschweine, die frei in der Abferkelbucht leben.

  • 1. Spalte: Prozentsatz der Mutterschweine, die den Krankheitskomplex Mastitis-Metritis-Agalaktie (MMA) entwickeln. Dabei tritt Gebärmutterentzündung zusammen mit Brustentzündung und Milchmangel auf.
  • 2. Spalte: Prozentsatz der Muttertiere, die länger als 8 Stunden für die Geburt benötigen
  • 3. Spalte: Krankheitsrate
  • 4. Spalte: Rate jener Schweine, die medizinisch behandelt werden mussten

Es zeigt sich, dass Mutterschweine im Kastenstand durchwegs etwa doppelt soviele körperliche Probleme aufweisen als Mutterschweine, die mit den Ferkeln frei in der Bucht leben.

Durchwegs höhere Stressbelastung von Schweinen im Kastenstand

Diese Grafik zeigt die Stresshormonausschüttung im Vergleich von Mutterschweinen im Kastenstand (rot) und in freien Buchten (gelb) um den Geburtstermin. Es zeigt sich dass Schweine im Kastenstand einer deutlich größere Stressbelastung ausgesetzt sind.

 


Meinung der österreichischen Öffentlichkeit

Eine aktuelle Studie (2011) des renommierten Instituts für empirische Sozialforschung IFES brachte folgende Ergebnisse:

80% für ein Verbot von Kastenständen

Die große Mehrheit von 80% der ÖsterreicherInnen wünscht ein absolutes Verbot der Kastenstände. Insbesondere Frauen (86%) und Menschen mit Matura (87%) sprechen sich für diese Tierschutzmaßnahme aus.

Frage: Und wenn Sie sich eindeutig entscheiden müssten: Soll Österreich dann die Kastenstandhaltung von Zuchtsauen absolut verbieten oder nicht?

 

Nur 8% wollen, dass Kastenstand weiter unverändert erlaubt bleibt

63% der Menschen in Österreich wollen ein sofortiges Verbot, 13% mit einer längeren Übergangsfrist, 9% würden sich mit dem Kompromiss des Gesundheitsministeriums abfinden (1 Monat Kastenstand pro Jahr) und nur 8% sind dafür, dass Kastenstände weiterhin unverändert erlaubt bleiben.

Frage: In Österreich dürfen in der Schweinezucht erwachsene Zuchtsauen in sogenannten Kastenständen gehalten werden. Das sind Metallgitter, die 1,9 m lang und 65 cm breit sind. In diesen körpergroßen Käfigen können sich die Tiere nicht umdrehen und kaum bewegen. Sollte Österreich Ihrer Meinung nach...

 

Die Menschen sind auch bereit, dafür mehr Geld beim Kauf von Schweinefleisch auszugeben

  • 11% bis zu 10 Cent pro kg
  • 25% bis zu 50 Cent pro kg
  • 28% bis zu €1 pro kg
  • 17% bis zu €2 pro kg
  • 13% würden nicht mehr bezahlen

Frage: Wären Sie bereit für Schweinefleisch, Schinken und Wurst pro Kilo mehr zu bezahlen, wenn dadurch die Kastenstandhaltung und die Ferkelkastration ohne Betäubung vermieden weden könnte?

 

84% wollen Verbot der betäubungslosen Ferkelkastration

Bei der Frage der betäubungslosen Kastration von Ferkeln ist die Mehrheit noch größer. Momentan dürfen männliche Ferkel in den ersten 7 Lebenstagen ohne jede Betäubung oder Schmerzbehandlung von Laien kastriert werden. Aber

  • 84% wollen ein Verbot der betäubungslosen Kastration
  • 11% wollen kein solches Verbot

Frage: Derzeit dürfen in Österreich männliche Ferkel ohne Betäubung kastriert werden. Sind Sie dafür, dass Ferkel nur unter wirksamer Betäubung und nur von Tierärzten oder Tierärztinnen kastriert werden dürfen?

Akzeptieren

Wir nutzen Cookies. Durch die Nutzung dieser Website erklärst du dich mit der Nutzung von Cookies einverstanden. Mehr erfahren